Im Emirat Fujairah gewann Marie-Florence Candassamy aus Frankreich ihr erstes World‑Cup‑Gold im Damenepee. Gleichzeitig holte der Däne Conrad Seibaek Kongstad seinen ersten Sieg und schrieb damit Geschichte für Dänemark. Das US‑Damenteam setzte sich im Teamwettbewerb gegen Südkorea durch.

Candassamy und Kongstad schreiben in Fujairah Geschichte

Die Fechtwelt hat in den vergangenen Tagen wieder einmal gezeigt, warum ihre Sportart so faszinierend ist. Im Emirat Fujairah fanden parallel die Epee-Weltcups für Frauen und Männer statt, und beide Turniere lieferten Dramatik, Überraschungen und neue Helden. Während Marie-Florence Candassamy aus Frankreich nach sieben Silber- und sechs Bronzemedaillen endlich ihren ersten World-Cup-Sieg feierte, stand auf der anderen Seite des Zayed Sports Complex mit Conrad Seibaek Kongstad ein Däne auf dem obersten Treppchen, der vorher nie unter den ersten Drei gelandet war. Die 217 Damen und 275 Herren hatten sich auf dem modernen Gelände ein heißes Duell um Punkte und Prestige geliefert, und die Zuschauer bekamen ihr Geld in Form von Klingenkämpfen voller Emotionen geboten.

Schon in der Vorrunde war klar, dass diesmal keine Garantien galten. Weltklassefechter trafen auf junge Wildcards, und mehrfache Medaillengewinner mussten sich mit schlechteren Platzierungen zufriedengeben. Candassamy selbst hatte im Achtelfinale alle Hände voll zu tun, als sie gegen die Amerikanerin Hadley Husisian nur mit 12:11 gewann. Ein Treffer Unterschied, der letztlich über Sieg und Niederlage entschied. Im Viertelfinale wartete mit Sera Song aus Südkorea bereits die Nummer drei der Weltrangliste. Die Koreanerin war erst wenige Monate zuvor bei der WM 2025 in Kairo mit Bronze hinterhergelaufen und galt als sicherer Halbfinalkandidat. Doch Candassamy ließ sich nicht beirren, setzte sich 15:13 durch und war fortan auf einer Mission.

Im Finale wartete mit Alberta Santuccio eine erfahrene Italienerin. Die 29-Jährige hatte schon mehrere Podestplätze auf World-Cup-Ebene und wollte unbedingt den zweiten Sieg in dieser Saison. Beide Athletinnen kannten sich aus gemeinsamen Weltcups und Trainingslagern, weshalb die Partie taktisch hochinteressant wurde. Candassamy nutzte ihre Länge, Santuccio versuchte, mit schnellen Riposten zu punkten. Am Ende behielt die Französin die Nerven und feierte nach dem 15:10 den größten Erfolg ihrer Karriere. Die Bronzemedaillen gingen an Hadley Husisian aus den USA und Hyein Lee aus Südkorea, die sich damit für ihre knappen Vorrundenniederlagen revanchierten.

Der dänische Underdog und die Macht der Geduld

Kaum jemand hatte Conrad Seibaek Kongstad auf dem Zettel. Der 24-Jährige war aktuell nur auf Rang 59 der Welt und hatte in dieser Saison erst einen einzigen Weltcup-Punkt geholt. Doch in Fujairah schien ein Schalter umgelegt. Schon in der 64er-Runde ging es gegen Masaru Yamada, die Nummer zwei der Setzliste aus Japan. Das Match wurde zur Geduldsprobe, beide Fechter lieferten sich ein 8:8, ehe Kongstad in der Overtime mit einem Doppelschlag den Lucky Punch landete. Danach war der Bann gebrochen. Im Achtelfinale besiegte er den Franzosen Alex Fava, im Viertelfinale den unangenehmen Deutschen Lukas Bell, und im Halbfinale setzte er sich gegen den Ukrainer Ihor Reyzlin durch.

Im Finale wartete Matteo Galassi. Der 20-jährige Italiener war erst 2025 Junioren-Weltmeister in Wuxi geworden und hatte in Fujairah bewiesen, dass er auch bei den Senioren mithalten kann. Das Finale wurde zu einem offenen Schlagabtausch. Galassi ging früh mit 4:2 in Führung, doch Kongstad kämpfte sich zurück und ging mit 8:7 in die Pause. Nach dem Seitenwechsel zog der Däne auf 12:8 davon, ehe der Italiener noch einmal auf 13:12 herankam. Doch Kongstad blieb cool, erzielte zwei Treffer in Folge und jubelte lautstark, als das 15:13 auf der Anzeige stand. Der erste Weltcup-Sieg für Dänemark seit 2018 war perfekt. Auf dem Podest begleiteten ihn Galassi sowie die beiden Ukrainer Ihor Reyzlin und Volodymyr Stankevych, die sich die Bronzemedaillen teilten.

Teamwettbewerbe: USA und Schweiz dominieren

Am Sonntag standen dann die Teamwettbewerbe auf dem Programm. Bei den Damen ging der Sieg an die USA, die sich in einem hochklassigen Finale gegen Südkorea mit 45:41 durchsetzten. Das junge amerikanische Team um Lee Kiefer, Jacqueline Dubrovich und Maia Chamberlain zeigte dabei eine beeindruckende Moral. Nach dem Wechsel lagen die USA noch mit 25:27 zurück, doch ein starkes Mittel-Drittel von Kiefer drehte die Partie. Die 30-jährige Olympiasiegerin zeigte, warum sie zurzeit weltbeste Foil-Fechterin ist. Für Südkorea war es die zweite Silbermedaille binnen drei Wochen, nachdem das Land schon in Hongkong das Finale erreicht hatte. Bronze sicherten sich die Schweizerinnen nach einem 45:42 gegen Estland. Die Schweiz um Tiffany Géroudet und Pauline Brunner präsentierte sich als eingespielte Einheit und nutzte ihre Erfahrung aus vielen gemeinsamen Weltcups.

Bei den Herren setzte sich die Schweiz klar mit 45:36 gegen die USA durch und holte damit den zweiten Team-Sieg in Folge. Das Trio Max Heinzer, Michele Niggeler und Luca Luterbacher ließ den Amerikanern kaum Chancen. Besonders Heinzer war es, der mit seiner Erfahrung die jungen US-Boys unter Druck setzte. Die USA hatten zuvor im Halbfinale Frankreich mit 45:43 bezwungen und wollten den ersten Team-Sieg seit 2021. Am Ende reichte es nur zu Silber. Bronze ging an Frankreich, das sich im kleinen Finale gegen Deutschland mit 45:41 durchsetzte. Die Franzosen um Alex Fava und Luidgi Midelton zeigten sich nach der Niederlage gegen die USA erholt und ließen den deutschen Youngstern keine Luft zum Atmen.

Candassamy und Kongstad schreiben in Fujairah Geschichte

Hongkong und Paris: Kiefer und Mepstead setzen sich durch

Bereits eine Woche vor Fujairah hatte das Damen-Foil-Weltcup-Turnier in Hongkong für Furore gesorgt. In der AsiaWorld-Expo hatten sich knapp 200 Fechterinnen gemeldet, darunter natürlich auch Top-Favoritin Lee Kiefer. Die US-Amerikanerin bestätigte ihre Ausnahmestellung und gewann ihr sechstes World-Cup-Gold. Im Finale besiegte sie die Italienerin Francesca Palumbo mit 15:12. Palumbo hatte damit ihre beste Platzierung seit 2019 erreicht, als sie in Saint-Maur bereits Silber geholt hatte. Der Weg Kiefers war dabei alles andere als ein Spaziergang. Schon in der 32er-Runde musste sie gegen ihre langjährige Rivalin Alice Volpi ran. Die zweifache Weltmeisterin aus Italien erwischte einen guten Tag, doch Kiefer behielt mit 15:11 die Oberhand. Im Viertelfinale schaltete sie die Französin Morgane Patru aus, ehe sie im Halbfinale Marta Martyanova aus Aserbaidschan mit 15:9 bezwang.

Die Bronzemedaillen gingen neben Martyanova an ebenjene Morgane Patru, die sich damit für ihre Viertelfinalniederlage revanchierte. Für die 26-jährige Französin war es der erste Podestplatz seit zwei Jahren. Die Stimmung in der Halle war elektrisierend, denn Hongkong gilt als Mekka des Damen-Fechtens. Die lokalen Fans feierten jeden Treffer, egal ob von Asiatinnen oder Europäerinnen, und sorgten für eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Auch für die Organisatoren war das Turnier ein voller Erfolg. Die AsiaWorld-Expo war an allen Tagen gut gefüllt, und die Übertragungen auf FencingTV erzielten Rekordzahlen.

Parallel fand in Paris der Herren-Foil-Weltcup statt. Hier dominierte der Brite Richard Kruse nach Belieben. Der 34-jährige Routinier gewann vor heimischem Publikum sein erstes Gold seit drei Jahren und ließ im Finale den Italiener Guillaume Bianchi keine Chance. Mit 15:8 entschied Kruse die Partie klar für sich und zeigte, dass er trotz seines Alters noch immer zur Weltspitze gehört. Besonders bitter für die Franzosen: Ihr große Hoffnung Maximilien Chastagnol schied bereits im Achtelfinale aus und verpasste damit die Medaillenränge. Die Bronzemedaillen gingen an Alexander Massialas aus den USA und an Dmitry Rigin aus der Russischen Föderation. Für Rigin war es der erste Podestplatz seit seiner Rückkehr nach einer langen Verletzungspause.

  • Candassamy holte nach vielen Silber‑ und Bronzemedaillen ihr erstes Gold.
  • Kongstad überraschte als 59‑ter Weltranglisten‑Fechter und brachte Dänemark den ersten Sieg seit 2018.
  • Die USA dominierten den Damenteam‑Wettbewerb.
  • Bronzemedaille‑Gewinner kamen aus den USA, Südkorea und der Ukraine.
  • Die Turniere zeigten, dass im Fechten jede Runde unvorhersehbar ist.

Die neue Weltordnung im Epee

Die Ergebnisse der letzten Wochen zeigen ein deutliches Bild: Der Wettbewerb ist enger denn je. Während in der Vergangenheit einige wenige Nationen die Medaillen verteilten, kommen nun immer mehr Länder zu ihrem Anteil. Estland beispielsweise feierte mit dem dritten Platz im Damen-Teamwettbewerb von Fujairah den größten Erfolg seiner Geschichte. Das junge Team um Julia Beljajeva und Erika Kirpu besiegte im Viertelfinale überraschend Frankreich und unterstrich, dass das Baltikum in den vergangenen Jahren massiv in den Nachwuchs investiert hat. Auch die Schweiz profitiert von einer konsequenten Förderung. Mit Max Heinzer und Pauline Brunner verfügt das Land über zwei Anführer, die junge Talente mit Vorbildfunktion unterstützen. Der Schweizer Verband hat zudem ein Stützpunktkonzept entwickelt, bei dem die besten Athleten regelmäßig gemeinsam trainieren und sich so gegenseitig pushen.

FAQ

Wer hat im Damenepee‑World‑Cup in Fujairah den Titel gewonnen?

Marie‑Florence Candassamy aus Frankreich gewann das Finale mit 15:10 gegen die Italienerin Alberta Santuccio.

Wie kam der dänische Fechter Conrad Seibaek Kongstad zum Sieg?

Kongstad besiegte in der Finalrunde den Italiener Matteo Galassi mit 15:13, nachdem er zuvor Top‑Fechter wie Masaru Yamada und Lukas Bell eliminiert hatte.

Welches Team gewann den Damenteam‑World‑Cup?

Das US‑Team um Lee Kiefer, Jacqueline Dubrovich und weitere Athletinnen gewann das Finale gegen Südkorea mit 45:41.

Welche Bronze­medaillen wurden vergeben?

Im Damenepee gingen die Bronzemedaillen an Hadley Husisian (USA) und Hyein Lee (Südkorea). Im Herren‑Einzel teilten sich die Ukrainer Ihor Reyzlin und Volodymyr Stankevych die Bronzeposition.

Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab es bei den Einzelwettbewerben?

Im Damenepee traten 217 Fechterinnen an, im Herren‑Epee 275 Athleten kämpften um die Plätze.

Die USA wiederum setzen auf eine Mischung aus Erfahrung und Jugend. Lee Kiefer ist das Aushängeschild, doch mit Athleten wie Maia Chamberlain und Nick Itkin haben sie bereits die nächste Generation am Start. Chamberlain gewann in Hongkong zwar nur Bronze im Einzel, zeigte aber, dass sie bereit ist, die Führungsrolle zu übernehmen. Auch Deutschland arbeitet mit Hochdruck an der Zukunft. Mit Leonie Ebert und Luis Klein verfügt der Deutsche Fechterbund über zwei junge Talente, die in den nächsten Jahren für Furore sorgen könnten. Beide gehörten in Fujairah zwar nicht zur Medaillenrunde, sammelten aber wichtige Weltcup-Punkte.

Ein Blick auf die Ranglisten zeigt, wie schnell sich die Verhältnisse ändern können. Vor einem Jahr stand Conrad Seibaek Kongstad noch auf Rang 156, nun ist er nach seinem Sieg auf Platz 37 vorgerückt. Auch Marie-Florence Candassamy konnte sich von Rang 19 auf Platz 8 verbessern und damit ihre beste Platzierung seit fünf Jahren erreichen. Für beide war der Sprung nicht nur symbolisch, sondern bringt auch direkte Vorteile. Bei den kommenden Turnieren werden sie höher gesetzt und damit erst später auf Top-Gegner treffen. Das wiederum erhöht die Chancen auf weitere gute Platzierungen und schont gleichzeitig die Nerven.

Blick nach vorn: Die Saison 2026 nimmt Fahrt auf

Mit den Siegen in Fujairah, Hongkong und Paris ist die Saison 2026 nun richtig gestartet. Als nächstes stehen die Weltcups in Bern und Barcelona auf dem Programm, bevor es im Sommer zur Weltmeisterschaft nach Madrid geht. Für viele Athleten ist dies die wichtiste Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die Qualifikation beginnt bereits im Herbst, und jeder Weltcup-Punkt zählt doppelt. Besonders spannend wird die Entwicklung im Teamwettbewerb. Die Schweiz hat gezeigt, dass sie zurzeit die beste Formation stellt, doch die USA haben bereits angekündigt, im Sommer mit einer neuen Aufstellung anzutreten. Auch Frankreich will nach den Enttäuschungen der letzten Wochen zurückschlagen und hat für Bern einen vollständig neu formierten Kader angekündigt.

Für die Fans bedeutet das: Es bleibt spannend. Die Zeiten, in denen einzelne Nationen die Medaillen verteilten, sind vorbei. Dänemark, Estland, Aserbaidschan und viele andere haben bewiesen, dass sie mithalten können. Und das ist gut so, denn ein enger Wettbewerb ist nicht nur fairer, sondern auch attraktiver für die Zuschauer. Wer in den nächsten Monats die Gelegenheit hat, einen Weltcup vor Ort zu besuchen, sollte sie nutzen. Die Atmosphäre in den Hallen ist einzigartig, und die Geschichten, die sich auf und neben der Piste entwickeln, sind oft spannender als jeder Krimi.